Im Tonstudio und Vorlesen beim Enkel

Im Tonstudio und Vorlesen beim Enkel

Nachdem ich an einem Freitag bei Thomas angekommen war, durfte ich erstmal bei den Geschenken seiner Frau Platz nehmen, sie hatte nämlich am Vortag Geburtstag. Ich konnte mich hier an die neue Umgebung gewöhnen. Thomas‘ Frau fuhr am Samstag in Urlaub, daher verfolgte ich, was Thomas die Woche über so tat.

Station 35 - Lucy auf dem GeburtstagstischThomas hat die GfK 2010 für sich entdeckt nach einer Ehekrise, in der die beiden nicht mehr so recht wussten wie weitermachen. Sie lasen deshalb alle Bücher zu dem Thema Beziehung, die ihnen so in die Hand fielen oder empfohlen wurden. Darunter war auch Marshall Rosenbergs Gewaltfreie Kommunikation – eine Sprache des Lebens. Was Marshall schrieb leuchtete ihm sofort ein. Die Anwendung der GfK hat das Lebensgefühl von Thomas ziemlich umgekrempelt, denn er lernte durch die GfK überhaupt erst mal, wie wichtig es ist, seine eigenen Bedürfnisse zu kennen und im zweiten Schritt sie auch zu formulieren.

Lucy im TonstudioAm 1. Mai, dem Feiertag nahm Thomas mich mit in sein Tonstudio. Er ist nämlich Tonmeister und Musikproduzent. An diesem Tag stand eine Video Aufnahme an und zwar keine gewöhnliche, sondern in 360° und in 3D. Es war die Kölner Band TIMBÁ im Studio. Sie spielten 2 Songs live ein. Ich durfte mit im Aufnahmeraum sitzen, und zur guten Stimmung beitragen. Natürlich fragten die Bandmitglieder, was es mit der Kuh auf sich hätte. Da war ich schon ein bisschen beleidigt. Nachdem ich mir etwas Selbstempathie gegeben hatte, war ich in der Lage, wieder meine Giraffenohren aufzumachen, so konnten wir zusammen herausfinden, welches Merkmal an mir sie dazu veranlasst hatte, mich als Kuh einzuordnen. Wir stellten fest, dass mein Hals für eine Giraffe eindeutig viel zu kurz ist. Thomas erklärte, warum ich überhaupt da bin, und was GFK bedeutet. Das Interesse bei den Musikern war aber nicht sehr groß, sie waren mit ihrem Kopf woanders. Wenn der Film aber eines Tages auf dem YouTube Kanal 360recordings veröffentlicht wird, könnt ihr das Video mit der Maus anklicken und dann bewegen. So könnt ihr den Bildausschnitt dahin drehen, wo ich saß, nämlich gegenüber der Sängerin und mich entdecken, ich werde allerdings nicht sehr groß zu sehen sein.

Am Tag darauf nahm Thomas mich mit zu seinem Enkel (3-1/2 J) und der Enkelin (6Mon.). Die Mama sollte nämlich zur Physiotherapie und hatte an diesem Tag keinen Babysitter. Weil Thomas sehr gerne zu seinen Enkeln geht und sich von ihrer direkten Lebensweise inspirieren lässt, freute er sich auf die Zeit mit ihnen. Er spielte mit dem 3 jährigen, die kleine schaute den beiden von ihrer Krabbeldecke aus interessiert zu. Später las er aus dem Buch „Rabe Socke“ vor und war einigermaßen entsetzt, wie Kinder in Büchern von früh auf mit Wolfssprache bombardiert werden. Er griff die Dialoge auf und sprach mit dem kleinen Enkel darüber, wie es sich anfühlen mag, wenn man so miteinander redet (Schuldzuweisungen, moralischen Druck ausüben, sich gegenseitig beschimpfen) und wie es sich anfühlt, wenn man die Dialoge umformuliert. Der Enkel machte nur große Augen und wusste nichts damit anzufangen, dass der Opi mit ihm über die Dialoge sprach anstatt nur vorzulesen. Thomas war aber der Meinung, man kann bei den Kinder nicht früh ein Bewusstsein erzeugen dafür, was (im Sinne der GfK) guter Umgangston ist, und zu erkennen, welche Art des Sprechens Wolfssprache ist und insbesondere, wie man sich dabei fühlt, wenn man so oder so angesprochen wird. Sie nahmen dann noch in einer friedlichen und kommunikativen Stimmung zusammen das Abendbrot mit Mama und Papa ein. Danach gingen die Enkel schlafen und Thomas wieder nach Hause.

Im Rest der Woche saß ich auf dem Arbeitsplatz von Thomas und hörte zu, was er so alles an Musik zu bearbeiten hatte. Ich sah, dass ihn bestimmte Musik sehr berührt, und dass er mit Freude bei seiner Arbeit ist. Thomas nahm mich am Wochenende wieder mit nach Hause, wo ich das schöne Wetter genießen konnte. Ich konnte auch beobachten, wie liebevoll er und seine Frau sich begrüßten und umarmten, als sie aus dem Urlaub wieder zurückkam.

Nun werde ich aufbrechen zu meiner nächsten Gastgeberin.

Lucy


Aufenthaltsort: 50859 Köln
Gastgeber: Thomas Kern

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Subscribe  
Benachrichtigung bei neuen